Die Sehnsucht nach Freiheit
Nabucco"
auf dem Exe - Standing Ovations für die Künstler aus Italien
Hochmut
kommt vor dem Fail, Diese Erfahrung macht auch Nabucco, der König von Babylon.
Als er sich zum Gott deklariert, wird er vom Blitz getroffen und fallt in den
Wahnsinn. Erst die Zerstörung macht den Herrscher menschlich. Das Gute siegt am
Ende.
Begeistert von der „Freiheitsoper“ Verdis, die
am 9. März l84z ihre Uraufführung erlebte, zeigten sich die 1500 Gäste auf dem
Exerzierplatz. Am Ende der „Nabucco“-Aufführung am Samstag Abend erhielten die
Künstler der „Opera und Classic Promotion“ aus ItaIien standing ovations.
Bei Verdis opulenter Musik erstrahlte der
Exerzierplatz in neuem Glanz. Vom ersten Augenblick an fühlte man sich versetzt
in die Zeit der babylonischen Herrschaft, als Nebukadnezar, italienisch genannt
Nabucco, das Königreich Judäa überfällt und Salomons Tempel in Jerusalem
zerstört.
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Aufführung der Oper Nabucco als „Open Air“-Veranstaltung
auf dem Exerzierplatz.
FOTO: SEEBALD
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Die Handlung beginnt mit der Belagerung der Juden.
Die in Bedrängnis geratenen Menschen flehen zu ihrem Gott, dass er sie errette.
Durch die gesamte Oper zieht sich - gesanglich und musikalisch - die Sehnsucht
nach Freiheit, die ihren Höhepunkt in dem bekannten Gefangenenchor findet. Was
wäre aber eine Oper ohne dramatische Liebe und fatale Leidenschaften? Wie in
allen dramatischen Geschichten ist es auch in „Nabucco“ die Liebe, die am Ende
siegt über Gewalt, Machtstreben und Neid.
Fenena, Tochter der babylonischen Herrschers
Nabucco, wird als Geisel vom Hohepriester Zacharias gefangen gehalten. Damit
will man die Zerstörung des Tempels verhindern. Doch die schöne Tochter
Nabuccos und Ismael, Sohn des hebräischen Königs entbrennen in
leidenschaftlicher Liebe füreinander. Diese Liebe will Abigail (Antonella
Banaudi) verhindern, da sie den jüdischen Königssohn selbst für sich gewinnen
will. Selbst vor Mord und Intrige schreckt sie nicht zurück.
Nach dem Sturz ihres Vaters reißt sie die
Macht an sich und beschließt, die Hebräer, zu denen ihre Schwester sich bekannt
hat, ermorden zu lassen. Daraufhin verlangt Nabucco (Andrea Roca) den Thron zurück
und will die intrigante Tochter hinrichten lassen. Diese legt die Hände des
Liebespaars Fenena und Ismael (Rubens Peccizari) ineinander und vergiftet sich
selbst. Als das Götzenbild Baal zerbricht, erklärt Nabucco den Hebräern, dass
sie in die Freiheit zurück kehren dürfen. Der große hochmütige König ist geläutert.
Am Ende erweist sich der Gott der Liebe als allmächtig.
Die Pirmasenser erlebten eine klassische
Aufführung der großen Oper Verdis. Man setzte auf die Wirkung der Musik und der
ergreifenden Arien, statt zu experimentieren oder Effekthascherei zu betreiben.
Genau das ist wohl das Geheimrezept des Regisseurs Antonio Petris und der künstlerischen
Leiterin Loretta Braschi: Die Zuschauer erlebten die musikalische Essenz der
Oper Nabucco, keine pseudo-intellektuelle Verwässerung. Noch mehr Leidenschaft
zeigten die Sänger im zweiten Teil, was auf das Publikum übergriff.
Im Laufe der drei Stunden gab es viele große
Momente, allen voran das Duett- Nabuccos mit seiner Tochter Abigail. Andrea
Roca dominierte mit seinem warmen, vollen Bariton das Geschehen, obwohl er die
Rolle des Nabucco erst seit kurzem singt. In schönem Gegensatz zueinander
standen die Stimmen Antonella Banaudis und Roberta Mattellis (Fenena). Was der
Sopran Banaudi mit Kraft, besonders in den hohen Tönen, erreichte, erzielte
Mezzosopranistin Mattelli mit viel Weichheit und Gefühl in der Stimme.
Autorität vermittelte Enrico Rinaldo als Zacharias mit seinem Bass.
Das italienische Ensemble wurde erst nach
mehreren Zugaben von der Bühne entlassen.
